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Nutzung von Kinderpornografie und sexueller Kindesmissbrauch: Zusammenhang und Risikofaktoren

Eine der immer wiederkehrenden noch offenen Fragen in Forschung und Praxis ist, ob oder inwieweit sich Nutzer von Missbrauchsabbildungen (sog. Kinderpornografie) von denen unterscheiden lassen, die Kindesmissbrauch begehen und ob die Nutzung von Missbrauchsabbildungen einen späteren Kindesmissbrauch vorhersagen kann. In zwei Teilstudien sollten daher charakteristische Merkmale von Nutzern von Missbrauchsabbildungen identifiziert und der Zusammenhang zwischen Nutzung und Kindesmissbrauch untersucht werden.

 

Fragestellungen im Einzelnen

  • Wie häufig werden Missbrauchsabbildungen und sexuelle Darstellungen von Kindern und Erwachsenen von identifizierten Nutzern von Missbrauchsabbildungen mit einem sexuellen Interesse an Kindern und/oder Jugendlichen genutzt?
  • Wie viele Missbrauchsabbildungen und sexuelle Darstellungen von Kindern und/oder Jugendlichen werden in Sammlungen von Nutzern gespeichert?
  • Welche Darstellungen werden gesammelt/konsumiert, die sich mit Blick auf den Schweregrad des dargestellten Missbrauchs klassifizieren lassen?
  • Unterscheiden sich Nutzer von Missbrauchsabbildungen mit Kindesmissbrauch von denen ohne Kindesmissbrauch hinsichtlich Nutzungsfrequenz, Sammlungsgröße und Darstellungsqualität / Schweregrad sowie anderer Merkmale (Justizbekanntheit, tatassoziierter Alkoholkonsum, eigene sexuelle Viktimisierung in der Kindheit, diagnostische Merkmale)?  
  • Welche Tätergruppe hat laut Bundeszentralregisterauszügen welche Rückfallquote?
  • Wie groß ist laut Bundeszentralregisterauszügen der Anteil der verurteilten Kinderpornografienutzer, die später für ein Kindesmissbrauchsdelikt verurteilt werden (sog. crossover)?

 

Vorgehen

Um charakteristische Merkmale von Nutzern von Missbrauchsabbildungen im Vergleich zu Kindesmissbrauchern und Tätern beider Delikte bestimmen zu können wurden die Akten aller Männer mit sexuellem Interesse an Kindern analysiert, die im Projekt „Kein Täter werden“ am Standort Regensburg zwischen den Jahren 2010 und 2014 freiwillig und anonym untersucht wurden.

Für Aussagen über Rückfallquoten von Sexualstraftätern in Deutschland innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren wurden beim Bundesamt für Justiz (BfJ) die Auszüge der Jahre 2008 und 2013 angefragt. Angefordert wurden die Auszüger der Personen in Deutschland, die im Jahr 2008 Eintragungen nach den folgenden Paragraphen hatten

  • § 176 Sexueller Missbrauch von Kindern
  • § 176a Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
  • § 176b Sexueller Missbrauch von Kindern mit Todesfolge
  • § 184b Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften
  • § 184c Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Schriften
  • § 180 Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger 
  • § 182 Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

Die Einträge in den Bundeszentralregisterauszügen enthielten keine Informationen zum Alter oder Geschlecht der Täter, da es sich aus datenschutzrechtlichen Gründen um anonymisierte Eintragungen handelt. Durch einen individuellen Code wurde gewährleistet, dass die Person und die Rückfallinformationen richtig zuordenbar waren.

 

Teilnahme

Von 190 Akten der Teilnehmer im Projekt „Kein Täter werden“ am Standort Regensburg wurden die Angaben von 93 erwachsenen Männern mit sexuellem Interesse an Kindern und/oder Jugendlichen analysiert, die angegeben hatten, über die Lebensspanne bereits Missbrauchsabbildungen genutzt zu haben, oder darüber hinaus auch ein oder mehrere Missbrauchsdelikt(e) gegenüber Kindern einräumten. Die Männer der aktenbasierten Stichprobe waren zum Zeitpunkt ihrer ersten Untersuchung im Projekt durchschnittlich 40 Jahre alt.

Für 5318 Personen wurden die anonymisierten Auskünfte beider Jahre aus dem Zentralregister übermittelt. Für 50 Personen lagen keine Eintragungen im Bundeszentralregister 2008 vor, oder Eintragungen zu anderen Delikten. In die Analysen wurden daher die Einträge von 5268 Personen einbezogen. 52,5 % hatten ein Kinderpornografiedelikt, 45,2 % ein Kindesmissbrauchsdelikt und 2,3 % beide Delikte.

 

Inhalt

Die klinischen Akten wurden mit Hilfe eines Kategoriensystem zur „Beurteilung von Kinderpornografiesammlungen rev.“ (Schuhmann & Osterheider) ausgewertet. Dabei wurden demografische Merkmale, die sexuelle Präferenz, eigene sexuelle Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und antisoziale Verhaltensweisen (Vorstrafen, Drogen- und Alkoholkonsum) berücksichtigt. Genutzte Missbrauchsabbildungen wurden entlang eines zehnstufigen Klassifikationssystems nach Taylor, Holland und Quayle (2001) eingeordnet (vgl. COPINE, Combating Paedophile Information Network in Europe) und Nutzungshäufigkeit sowie Entwicklungsreife der dargestellten Kinder erfasst.

Die Sammlung der Informationen der Bundeszentralregisterauszüge beinhaltete über den Zeitraum von 5 Jahren Aussagen über Rückfallquoten bei Kinderpornografiedelikten (Konsum, Verbreitung, Herstellung) und/oder Kindesmissbrauch.

 

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der Teilstudien wurden auch auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

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