:: Studien - Mik1

Sexuelles Interesse an Kindern in der männlichen Allgemeinbevölkerung

Bisherige Studien erforschten sexuelles Interesse an Kindern überwiegend in männlichen Stichproben. Die Ergebnisse unterschieden sich stark in den Häufigkeiten, mit denen sexuelles Interesse an Kindern auftrat und es war unklar, inwieweit die Ergebnisse internationaler Studien auf Deutschland übertragbar sind. Ziel war daher, die Häufigkeit verschiedener Ausprägungsformen sexuellen Interesses an Kindern und Jugendlichen in der männlichen Allgemeinbevölkerung über mehrere Methoden zu erfassen. Über den Vergleich verschiedener Tätergruppen sowie von Tätern mit Nicht-Tätern sollte untersucht werden, welche Merkmale erwachsene Männer kennzeichnen, die sexuellen Kontakt zu Kindern wünschen, Missbrauchsabbildungen im Internet genutzt haben und/oder sexuellen Kindesmissbrauch begangen haben.

 

Fragestellungen im Einzelnen:

  • Wie häufig ist sexuelles Interesse an Kindern in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?
  • Welche Merkmale haben Männer mit sexuellem Interesse an Kindern?
  • Wie viele sexuelle Kindesmissbraucher finden sich in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?
  • Welche Merkmale haben sexuelle Kindesmissbraucher? Wie viele Nutzer von Missbrauchsabbildungen finden sich in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?
  • Welche Merkmale haben Nutzer von Missbrauchsabbildungen?
  • Welche Merkmale haben Täter mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung in der Allgemeinbevölkerung?

 

Vorgehen

Über das Marktforschungsinstitut Respondi wurde gemäß wissenschaftlicher Standards eine für Männer hinsichtlich Alter und Bildung repräsentative Stichprobe von 17.917 Männern im Alter ab 18 Jahren kontaktiert und zur Teilnahme an der Onlinebefragung eingeladen. In einer Mail wurden alle über Ziele und Inhalt der Befragung informiert. Als Gegenleistung für die vollständige Beantwortung aller Fragen hat das Marktforschungsinstitut 20€ angeboten. Alle Angaben wurden vollständig anonym und unter Schweigepflicht behandelt. Die Daten wurden auf dem Server der Universität getrennt von den Daten aufbewahrt, die den Teilnehmerstatus kodierten. Diese Vorgehensweise verhinderte, einen einzelnen Teilnehmer persönlich zu identifizieren (u. a. bei Offenbarung von Straftaten)

 

Teilnahme

Die Teilnahme an der Studie war freiwillig und konnte jederzeit unterbrochen werden. Zusätzlich hatte jeder Teilnehmer am Ende der Befragung die Möglichkeit, sein Einverständnis für die Weiterverwendung seiner Angaben zu widerrufen. Die Befragung dauerte ungefähr 19 Minuten. Die Rücklaufquote insgesamt betrug 48,7% der ursprünglich kontaktierten deutschen Männer und 82,7% derer, die mit der Teilnahme begonnen haben. Für die abschließende Auswertung gingen die Daten von 8.718 Männern im Alter zwischen 18 und 89 Jahren ein, die für die Beantwortung aller Fragestellungen geeignet waren. Die Stichprobe ist annähernd repräsentativ für deutsche erwachsene Männer.

 

Inhalte

Alle Fragen zu sexuellen Interessen an Kindern bezogen sich auf Mädchen und/oder Jungen bis zum Alter von maximal 12 Jahren.

Sexueller Kindesmissbrauch ist jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen mit einem Mädchen und/oder Jungen bis zum Alter von maximal 12 Jahren.

Der Onlinefragebogen bediente sich dabei sowohl direkter Fragen, in denen Teilnehmer ihr sexuelles Interesse an Kindern und Jugendlichen selbst berichten konnten (z. B. sexuelle Fantasien und sexueller Kindesmissbrauch im Explicit Sexual Interest Questionnaire von Banse, Schmidt, & Clarbour, 2010; Nutzung von Missbrauchsabbildungen zur sexuellen Erregung (sog. Kinderpornografie), Inanspruchnahme von „Kinderprostitution“, Ausmaß sexuellen Verlangens im Sexual Outlet Inventory von Kafka, 1991), als auch einer indirekten Erhebungsmethode, die Unterschiede in der sexuellen Informationsverarbeitung misst. Dadurch sollte überprüft werden, ob die direkten Angaben der Teilnehmer zuverlässig waren, oder (z. B. aus Scham und Angst) sexuelles Interesse an Kindern verschwiegen wurde.

 

Ergebnisse

Die Häufigkeiten sexueller Interessen an Mädchen und Jungen wurden statistisch so gewichtet, dass sie als repräsentativ für deutsche erwachsene Männer gelten können. Erste Ergebnisse der Befagung wurden auch auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind als wissenschaftliche Publikationen erhältlich.

 

tl_files/mikado/upload/images/back01.jpg zurück