:: Studien - A4

Einfluss sexueller Erregung auf Bewertungs- und Entscheidungsprozesse

In einer Studie von Ariely und Loewenstein (2006) wurden Zusammenhänge zwischen  sexueller Erregung und Bewertungs- und Entscheidungsprozessen von Studienteilnehmern gefunden. Diese Befunde sollten zunächst repliziert werden, bevor das Experiment so verändert wurde, dass der Einfluss sexueller Erregung auf Bewertungs- und Entscheidungsprozesse weiter erforscht werden konnte. Es sollte geprüft werden, inwieweit sexuelle Erregung, die in einem Experiment über eine akustische Darbietung erotischer Reize erzeugt wurde, bei den Teilnehmern der Studie zu einer sexuellen Enthemmung und darüber zu einer größeren Akzeptanz sehr junger Sexualpartner führt.

 

Fragestellung

  • Führt sexuelle Erregung zu einer allgemeinen sexuellen Enthemmung und insbesondere zu einer größeren Akzeptanz sehr junger Sexualpartner?

 

Vorgehen

Im Unterschied zu der Studie von Ariely und Loewenstein (2006) sollte sexuelle Erregung durch akustische Darbietung erotischer Stimuli hervorgerufen werden. Daher musste zunächst untersucht werden, ob diese Methode grundsätzlich geeignet ist, die eigentliche Fragestellung der Studie zu beantworten. In zwei Vorstudien wurden dafür Teilnehmer zufällig der Bedingung „sexuelle Erregung“ oder „neutral“ zugeteilt. In der ersten Studie wurde die sexuelle Erregung durch einen Ausschnitt aus einem kommerziell erhältlichen erotischen Hörspiel realisiert, für die zweite Studie wurden kurze Szenenbeschreibungen aus dem Englischen übersetzt und von einer Schauspielerin eingelesen.

Nachdem sich die Methode als zuverlässig erwiesen hatte, wurde untersucht, inwieweit sexuelle Erregung der Versuchsteilnehmer die Altersspanne der Personen, die sie als sexuell attraktiv bewerten, verändert. Um das Mindestalter eines „attraktiven“ Sexualpartners zu ermitteln, wurden kontinuierliche Morphing-Filme erstellt, die eine altersgemäße Reifung von präpubertär bis postpubertär anhand schematischer Zeichnungen oder weiblicher Gesichter darstellten. Wie in der Vorstudie wurden alle Teilnehmer zufällig der Bedingung „sexuelle Erregung“ oder „neutral“ zugeteilt. Im Anschluss an die akustischen Reize sollten die Teilnehmer auf dem kontinuierlichen Morph den Punkt angeben, den jemand mindestens erreicht haben müsste, um als attraktiver Sexualpartner in Frage zu kommen.

 

Teilnahme

An den Vorstudien nahmen 88 Freiwillige (45 Männer und 39 Frauen) und 86 Freiwillige (41 Männer und 46 Frauen) teil. An der Hauptstudie beteiligten sich 60 Freiwillige.

 

Inhalt

In allen Experimenten wurden die Teilnehmer entweder durch die akustische Darbietung erotischer Geschichten sexuell erregt oder durch die Darbietung neutraler Geschichten nicht erregt. Im Anschluss wurden Fragen zu sexueller und nicht-sexueller Enthemmung (z. B. sozial unerwünschtes Verhalten) beantwortet. Welches Mindestalter ein „attraktiver“ Sexualpartner haben sollte, wurde auf der Skala kontinuierlicher Körperentwicklung von präpubertär bis postpubertär erfasst. Sexuelle Enthemmung wurde über die eingeschätzte Wahrscheinlichkeit erfasst, sexuell außergewöhnliche Verhaltensweisen zu zeigen, sexuell missbräuchliches Verhalten zur Erlangung sexueller Gratifikation einzusetzen oder ungeschützten Verkehr zu haben.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse wurden auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind in einer wissenschaftlichen Publikation erhältlich.

 

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