:: Studien - A2

Lernprozesse und Zusammenhang zu sexuellem Interesse an Kindern und Jugendlichen

Klassische Konditionierung ist ein Weg, Verhaltensweisen und Reaktionen von Menschen zu verändern und zu beeinflussen (Stahl & Unkelbach, 2009). Im grundlegenden Ablauf der Konditionierung wird ein ursprünglich neutraler Reiz mehrfach mit einem Reiz gepaart, der immer eine bestimmte Reaktion auslöst (der sogenannte unkonditionierte Reiz). Typische unkonditionierte Reize sind laute Töne oder Stromschläge, die Schreckreaktionen und Angst erzeugen, oder auch der appetitanregende Duft von Nahrungsmitteln oder sexuelle Erregung. Werden der neutrale Reiz und der unkonditionierte Reiz mehrfach gepaart, sollte sich die Reaktion des unkonditionierte Reizes auf den neutralen Reiz übertragen (nun konditionierter Reiz). Inwieweit derartige Lernprozesse an der Entstehung eines sexuellen Interesses an Kindern und Jugendlichen beteiligt sind, lässt sich bislang nur vermuten. In Verhaltensexperimenten wurde daher untersucht, ob sich die Konditionierbarkeit von Männern mit pädophilen Neigungen von der Konditionierbarkeit von Männern ohne pädophile Neigungen unterscheidet.

 

Fragestellungen im Einzelnen

  • Unterscheiden sich Männer mit pädophilen Neigungen von Männern ohne solche Neigungen im Hinblick auf ihre (evaluative) Konditionierbarkeit?
  • Unterscheiden sich Männer mit pädophilen Neigungen von Männern ohne solche Neigungen im Hinblick auf die Löschbarkeit (evaluativ) konditionierter Reaktionen, sowie der Gegenkonditionierbarkeit negativer und positiver konditionierter Reaktionen?

 

Vorgehen

Der experimentelle Versuchsaufbau wurde in Anlehnung an das Vorgehen von Förderer und Unkelbach (2011) entwickelt. Als neutrale Reize wurden neun Bilder von Personen mit neutralem Gesichtsausdruck verwendet. Zusätzlich wurde erhoben, wie angenehm der neutrale Reiz erlebt wurde.

Das Experiment umfasste die drei Phasen Konditionierung, Löschung und Gegenkonditionierung. Vor Beginn der Konditionierungsphase wurden nacheinander 60 Tierbilder (Förderer & Unkelbach, 2011) präsentiert, deren emotionale Wertigkeit bewertet werden sollte (neutral, positiv, negativ). Als positive, negative und neutrale unkonditionierte Reize wurden jeweils die drei Bilder verwendet, die von einem Teilnehmer zuvor als die positivsten, negativsten und neutralsten bewertet worden sind.

Im Rahmen der Untersuchungen bearbeiteten Teilnehmer das experimentelle Lernprogramm am Computer und beantworteten Fragen zu ihrer Sexualität und Persönlichkeit.

 

Teilnahme

Für die Untersuchungen wurden Studenten und Straftäter befragt. An der Studie zur Überprüfung des Experiments selbst nahmen insgesamt 80 Freiwillige (41 Frauen und 39 Männer) im Alter zwischen 18 und 63 Jahren teil. Die Teilnehmer wurden zu zwei Zeitpunkten im Abstand von einer Woche mit dem gleichen Versuchsaufbau untersucht, um zu erfassen, ob die Ergebnisse über die Zeit hinweg stabil sind. An der eigentlichen Hauptstudie nahmen 54 Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Straubing teil (15 wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Sexualstraftäter, 19 wegen eines Vergewaltigungsdelikts verurteilte Sexualstraftäter und 20 Nicht-Sexualstraftäter).

 

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der Teilstudien wurden auch auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

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